Bissone, le 27/5/42
Herrn
Dr. WARTMANN
ZURICH
Hochgeschätzter Herr Doctor,
Entschuldigen Sie, dass ich seiner %eit im Februar nach dem
Depot einiger Skizzen bei Ihnen nicht mehr auf der Rückreise
wie vorgesehen bei Ihnen vorsprechen konnte,
Ich hatte mir nämlich eine sehr hartnäckige Bronchitis zugezo-
gen und musste somit direkt nachhause reisen und dann war ich
in Italien.
Ich komme wohl in nächster Zeit wieder nach Zürich auf der
Durchreise zu meinem Sohn,der in Thun in Garnison ist, alsMajor
\Instruktor) der Tanktruppen und kann dann die Mappe wieder ab-
holen. Aber in dieser Mappe befindet sich die Photographie eines
Frans Hals zugeschriebenen Gemäldes- eine Trinkerscene,
Ich wäre Ihnen ausserordentlich dankbar, wenn Sie die grosse
*reundlichkeit hätten mir dieselbe gütigst zu übersenden.
Sollten sich noch andere Photographien darin befinden auch diese
loch glaube ich selbe mit Ausnahme dieser, die herauszunehmen
vergass bei’ meinem Sohn gelassen zu haben,
Sie erinnern sich vielleicht,dass wir schon beim Weltkrieg
aus Frankreich flüchten mussten, Wir fanden aber_nachher wieder
beinahe alles vor,Nur wenig war gestohlen worden, Nun sind wir
nochmals in derselben Lage und auch mein Sohn,der eine Pariserin
geheiratet hat, deren Schloss in der verbotenen Zone sich befin-
det und jenes seiner Schwiegermutter in der okkupierten und ausser
lem noch von den Deutschen Offizieren bewohnt ist,
Mit vielem Dank im Voraus- uns noch gerne all Ihres liebenswürdi-
gen Interesses für uns von vor 24 Jahren erinnerhd begrüsse Sie
mit höflichen Empfehlungen von meinem Gatten
in vorzüglicher Hochschätzung
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