Volltext: Korrespondenz Zürcher Kunstgesellschaft, Sammlung, 01.01.1941-31.12.1942

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Ihr wertes Gestrige besitzend, 3u% ca mir vecht leid, dass Eie nicht & 
Gelezenheit hatten, mir einen ungyenehneren Bericht zu meben, und ass ich 
561% Juni 1°41 so viel Zeit verloren habe, 
Ich uuss Mir aber eri1äuDsen, Ihnen Zu DellorkKen, dass Ihre erläuchte Sal 
LunzsxommiLsslon mein Gemälüe nichts ganz richtig interpretiert hat, denn es 
nandelt sich offenbar nichts um ein uytholoe,Iujetl, also nicht um Dan und 
aD0llo, Dieser letztere wur ein 70t% der altrzriech,! yüholczie, wÄhrend der 
Harflenspielende Jünzling auf meinem 31160 durchaus keine altesriech, Thpsio- 
nomie, noch irrend ein .erkmal eines nythol,Gocottes tränt, Zin weiterer Be- 
veis haben Zie ja im Vorhandensein der zwei Znzelein auf dem Bild; die alt- 
oriechische Iythologie hat viele G8tter und GEttergsähne, nicht aber einen 
ausgesorochenen Ängelskult, ein Schwiegerschn, vorzuümxl.ital:3ildhauer, 
ährenmitglied der KEnihl.,Kunstakadenie Srera, srünädlicher Kenner der |! yhhO- 
logien, hat im Tarfensoieler nicht den Apollo, wohl aber den David erkannt. 
äer än dauls Nof kam, später dessen Thron bestieg, und auf seinem Inslru—- 
men seine Zsgalmen scielte. 5 
Ys handelt sich, wie ichs bereits schrieb, um üie zwei einamderentge7en- 
zesetzten heiänisch und JÜdisch-christl,eltanschauungen, Das Atensriel 
des Pan veranschaulicht das heidnische Wesen & Denken. Dieses Heidentum 
hatte seine Trümofe verloren durch das Zrscheinen des Volkes Gottes durch 
Abraham und Vose, das im David, Marfenspieler, Xriegsmann, Mürst & Dealmen- 
dichter den höchsten könirl,Exponenten fand, dem Gott verhiess, in seiner 
Deszendenz werde Der jenige kommen, der als König aller Könige Uber die Völ- 
cer, Fonschen & Seelen herrschen werde in Zwirkeit, also Jesus Christus. 
Die elerxischen HarfentEäne, die David seinem Instrument entlockt, ist seine 
7öteliche Lechre, die nicht mehr in der Vergeltung des B8sen zirpfelt, wohl 
aber in der Nächstenliebe, Im neuen Gebot: Lieber eure Teinde, semnet die 
auch fluchen, tut wohl denen üie euch hassen und verfolgen etc. 
Angesichts dieser neuen /usik, also der christlichen weltanschauung, 
hat sich der Pan gar nicht bemüht, mit seinem Vis-ä-vis mit der Fl18te in 
Zcnkurrenz zu treten; es wäre ja nur ein Geauietsche gewesen, darum sieht 
er gar nicht böse, noch neidisch, sondern mit sichtlichem SBehagen auf des 
Davids Instrument, ohne weiteres einsehend, dass die Zukunft der neuen HJel 
anschauung gehört, und dass er gusgespielt hat, — Darum liess der AubGor 
den Earfenspieler von einem wunderschönen EZngelein bekränzen, und ihm von 
ainem andern Znzelein Früchte darbrinzen. Zs 15, summa summarium, das 
Öbristentum, welches das Heidentum bekehrt. 
Dass es sich also verhält, beweist das Vorhandensein der zwei Zngelein: 
zudem hielt Apollo suf dem Gesang, nich aber auf der Instrumentalmusik. 
Der vom Autor im Gemälde entwickelte Gedanke 1s% somit viel tiefer als 
jZerjenige, der in einen Pan-Apollo=Bild cHthalten sein könnte, Ich habe 
Ihnen bewiesen, dass es mich gefreut hätte nach Zürich zu kommen auf den 
Besammlungstag Ihrer erlsuchten Kommission. un frage ich Sie h8fl,an, 0D 
Sie mich nicht noch empfangen könnten; ich halte j& gar nicht so auf einer 
hohen, unerschwinmlichen Preis, sondern saytce Ihnen Zleich von anfang an 
von der muten Gelemenheit die Sie hätten im Erwerb eines /eisierwerkes zu 
ATAeM Konvenieorenden ‚reis, wesshalb ich zerne vernähme an welchem Tag und 
zu welcher Stunde Sie mich bei Ihnen empfangen könnten. Sa 
Tazwischen besrüsse ich Sie mit achtungsvoller Kochschltier" | 
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