E.Wehrli,Spiegelgasse 18
Zürich, den 8.Jan, 1942,
Betrifft Ihre Anfrage:
' Schreiben Rud.,.Koller an Konr.,Mever"
Tit.Sekretariat des Kunsthaus Zürich !
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3ehr geehrter Herr Director
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Der Verfasser des Gedichbes auf Rud.Koller's siebenzigsten
Geburtstag,Herr Konr.Meyer,wird in einem schmalen Bändchen von
J.,C.Heer " Die zürcherische Dialectdichtung " folgendermassen
geschildert: Unter den jetzt lebenden mundartlichen Dichtern des
Zürichbietes nimmt Konrad Meyer,geb.am 3.5Sept,1824, zu Winkel bei
Bülach, den ersten Rang ein.Der äussere Lebensgang des sinnigen
Poeten, der auch die schriftdeutsche Lyrik und das religiöse Epos
mit bedeutendem Talent gepflegzt,hat sich in so einfachen Rahmen beweg!
dass die Momente für eine Bioerapkiie fast mangeln."
K.Meyer war zuerst Kanzlist auf dem Statthalteramt Bülsach,nachher
sandte ihn das Vertrauen seiner Mitbürger als Bezirksrichter an das
jortige Bezirksgericht und schliesslich wählte die schweiz, Mobiliar
versicherungs-Gesellschaft den tüchigen Mann zum Generalagenten für
den Ktn.,Zürich,
Als solcher starb K.Meyer in seinem Haus an der Unteren Ziune No. 25.
Von seinen Erben in Yverdon erhielt der Schreibendeseinrzeit den
Auftrag, das noch vorhandene Inventar der Agentur zur Einstampfung
bringen «Zu lassen.
Bei .der Durchsicht der Sachen fiel mir fraglicher Brief in die Hände
und in der Annahme derselbe könnte für Ihre Gesellschaft Interesse
haben ,sandte Ihnen denselben zu.
Vielleicht interessiert Sie noch zu vernehmen, dass eine Verwechslung
zwischen dem Dichterfürsten K.,F.Meyer und K.Mever,der übrigens
zufällig ebenfalls den Namen Konrad Ferdinand führte, tatsächlich
stattgefunden hat und dass,in freundschaftlicher Aussprache zwischen
den beiden Herren,die Einigung zu Stande kam,dass sich der Eine
K.F.Meyer schrieb und der Andere nur K.,Meyer,
Nämmlich, der Männerchor Zürich,oder die Harmonie, ich bin nicht mehr
ganz sicher welcher Vereindie Episode erzählte mir FriMeyer des K.,Meye
Tochter, diese ist auch längst gestorben, konnten ein Jubiläum feiern.
Zu dem Beginnen ersuchten die Jubilare HerrK.,F.Meyer um ein den
Umstand würdig feierndes Poem, Der Brieftriäger brachte das wichtige
Schreiben dem K.F.,Meyer an der Unteren Zäune und dieser geschmeichelt
durch den Auftrag kniete hinein,Das Gedicht wurde mächtig lang und
gelangte erst einige Tage vor dem Fest in die Hände der Besteller.
Natürlich lange Gesichter und Rücksprache mit dem rechten K.F.Meyery,
zeigten den Irrthum auf.- Dies sei dann der Grund zu dem Ueberein-
kommen der beiden Foeten gewesen.wie jeder in Zukunft unterschreiben
wolle...
Es freut mich,für den fragl.Brief eine richtige Verwendung gefunden
zu haben und grüsse bestens
BN