Volltext: Korrespondenz Zürcher Kunstgesellschaft, Sammlung, 01.01.1941-31.12.1942

E.Wehrli,Spiegelgasse 18 
Zürich, den 8.Jan, 1942, 
Betrifft Ihre Anfrage: 
' Schreiben Rud.,.Koller an Konr.,Mever" 
Tit.Sekretariat des Kunsthaus Zürich ! 
% 
3ehr geehrter Herr Director 
1 
Der Verfasser des Gedichbes auf Rud.Koller's siebenzigsten 
Geburtstag,Herr Konr.Meyer,wird in einem schmalen Bändchen von 
J.,C.Heer " Die zürcherische Dialectdichtung " folgendermassen 
geschildert: Unter den jetzt lebenden mundartlichen Dichtern des 
Zürichbietes nimmt Konrad Meyer,geb.am 3.5Sept,1824, zu Winkel bei 
Bülach, den ersten Rang ein.Der äussere Lebensgang des sinnigen 
Poeten, der auch die schriftdeutsche Lyrik und das religiöse Epos 
mit bedeutendem Talent gepflegzt,hat sich in so einfachen Rahmen beweg! 
dass die Momente für eine Bioerapkiie fast mangeln." 
K.Meyer war zuerst Kanzlist auf dem Statthalteramt Bülsach,nachher 
sandte ihn das Vertrauen seiner Mitbürger als Bezirksrichter an das 
jortige Bezirksgericht und schliesslich wählte die schweiz, Mobiliar 
versicherungs-Gesellschaft den tüchigen Mann zum Generalagenten für 
den Ktn.,Zürich, 
Als solcher starb K.Meyer in seinem Haus an der Unteren Ziune No. 25. 
Von seinen Erben in Yverdon erhielt der Schreibendeseinrzeit den 
Auftrag, das noch vorhandene Inventar der Agentur zur Einstampfung 
bringen «Zu lassen. 
Bei .der Durchsicht der Sachen fiel mir fraglicher Brief in die Hände 
und in der Annahme derselbe könnte für Ihre Gesellschaft Interesse 
haben ,sandte Ihnen denselben zu. 
Vielleicht interessiert Sie noch zu vernehmen, dass eine Verwechslung 
zwischen dem Dichterfürsten K.,F.Meyer und K.Mever,der übrigens 
zufällig ebenfalls den Namen Konrad Ferdinand führte, tatsächlich 
stattgefunden hat und dass,in freundschaftlicher Aussprache zwischen 
den beiden Herren,die Einigung zu Stande kam,dass sich der Eine 
K.F.Meyer schrieb und der Andere nur K.,Meyer, 
Nämmlich, der Männerchor Zürich,oder die Harmonie, ich bin nicht mehr 
ganz sicher welcher Vereindie Episode erzählte mir FriMeyer des K.,Meye 
Tochter, diese ist auch längst gestorben, konnten ein Jubiläum feiern. 
Zu dem Beginnen ersuchten die Jubilare HerrK.,F.Meyer um ein den 
Umstand würdig feierndes Poem, Der Brieftriäger brachte das wichtige 
Schreiben dem K.F.,Meyer an der Unteren Zäune und dieser geschmeichelt 
durch den Auftrag kniete hinein,Das Gedicht wurde mächtig lang und 
gelangte erst einige Tage vor dem Fest in die Hände der Besteller. 
Natürlich lange Gesichter und Rücksprache mit dem rechten K.F.Meyery, 
zeigten den Irrthum auf.- Dies sei dann der Grund zu dem Ueberein- 
kommen der beiden Foeten gewesen.wie jeder in Zukunft unterschreiben 
wolle... 
Es freut mich,für den fragl.Brief eine richtige Verwendung gefunden 
zu haben und grüsse bestens 
BN
	        
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