Eidg. ammisaion
“CM,
nf 2 .
Gitliied Lei E- Neiflung
Luzern, den 12. Juni 19%3
Grundhof 11 ;
Herrn
Dr, W., Wartitmannmn
Direktor des Kunsthauses
Heimplatz
Zürich
Sehr geehrter Herr Direktor,
Bestätige dankend den Rückempfang der beiden Fhotographien.,
Das Tafelbild mit der Darstellung des"Todes der Maria" und "St, Xl1-
gius als Hufschmied" auf der Rückseite aus dem Kreise Niklaus Manuels
ist eine Ruine, Wie wir gestern in Basel anhand der Quarzlampen-Be-
leuchtung bei Restaurator Aulmann im Kunstmuseum konstatieren konn-
ten. Die rechte Seite des Todes der Maria, begrenzt durch die Sterbe-
kerze in der Hand von Maria und Johannes, ist eine Ergänzung, 8lso
komplett neu. Ebenso sind gewisse Partien, besonders im Mantel des
kniendenApostels am Fusse des Bettendes, stark erneuert bezw. über
malt. Der Damast der Bettdecke geht glatt über die Falten des Lin-
nens hinweg und dürfte daher kaum vom Autor der Komposition stammen,
sondern eine spätere Zutat sein.Die Köpfe der Apostel sind {im all-
gemeinen gut erhalten, wenn auch etwas verrieben. Entsprechend dem
rechtseitigen Drittel der Vorderfront ist die linksseitige Front der
Rückseite ebenfalls eine Neuzutat, die Teilung zwischen Alt und Neu
wird begrenzt durch den Amboss. Echt und alt ist der Pferdekopf und
der sitzende Ritter.
Unsere Kommission verzäehtet selbatverständlich auf diese Er-
werbung, die Tafel wäre auch mit Fr. 30,000.-° überzahlt, das Tafelbilc
war bereits vor Jahren in Basel durch Fritz Stöcklin dem dortigen Mu-
8eum angestellt worden und zwar vor der Ergänzung, oder wie man diese
Restauration nennen will.
Ich nehme sodann Notiz von Ihrer Stellungnahme zu den "Azaleen‘
von G. Segantini.,. Es scheint nicht leicht zu sein, die Wünsche des
Zürcher Kunsthauses mit bezug auf Depositen der Gottfried Keller-
Stiftung zu erraten. _
Mit vorzüglicher Hochachtung und höflichen Grüssen
Ihrı
{Ar