Volltext: Korrespondenz Zürcher Kunstgesellschaft, Sammlung, 01.01.1943-31.12.1943, A-M

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Luzern, den 
Grundhof 12 
8, April 1943 
Herrn 
Dr. W, Wartmann 
Direktor des Kunsthauses 
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Sehr geehrter Herr Direktor, 
Bei Lange in Berlin kommt Böcklins "Hochzeitsreise" (bei 
H.A,. Schmid Nr. 253) Mitte April zur Versteigerung. Es soll.nicht 
unter Schw. Fr. 100,000.-- herausgehen, was den Schweizer-Interes- 
senten jede Reserve auferlegt. H.A. Schmid schreibt mir, in der 
Familie Schwarzenbach, THalwil, Zürich, befinde sich immer noch 
Böcklins "Villa am Meer", die vielleicht einmal liquid werde, Er 
will damit offenbar sagen, die Schweiz sollte Sich dieses Bild für 
den Museumsbesitz nicht entgehen lassen, Er bemerkt allerdings, die 
‘'Villa"in der Galerie Schack in München sei die bedeutendere Fassung 
als die Schwarzenbachsche. Ich bemerke dies hier nur, weil der Zür- 
cherische Privat-Kunstbesitz in Ihrem erreichbaren Augenwinkel liegt. 
Wegen Segaäntinis "Strickendes Mädchen" gewärtige ich gerne 
Ihren Antrag in Verbindung mit dem Genfer Ausstellungsgesuch. Die 
Entscheidung liegt beim Departement des Innern, uns steht nur ein 
Vorschlagsrecht zu. 
- Wie Baud-Bovy mir Schreibt, wird Prof. v. Mandach auf den 
Herbst von der Leitung des Kunstmuseums Bern zurücktreten. Er selbst 
hat mir gegenüber noch nichts bemerkt, aber es wird wohl seine Rich- 
tigkeit haben, Ich glaube Dr. Huggler ist als Nachfolger ausersehen. 
Es ist ja ein bitterer Gedanke, dass sich alle Welt immer um Nachfol- 
geschaften umsieht; aber das ist nun einmal der Lauf der Dinge, und 
so begreife ich auch, dass man sich da und dort um-/Xinen Posten als 
Sekretär der Gottfried Keller-Stiftung interessiert, Immerhin denke 
ich doch noch die gegenwärtige Amtsperiode auszufüllen, das Gehör hat 
bedenklich Nachgelassen, die Augen waren nie prima und bei den übrigen 
drei Sinnen werden wohl die Wahlauguren gleichfalls Alterserscheinun- 
gen feststellen können, Man ist Ja bekanntlich blind an sich selber, 
wenigstens war das in späten Jahren bei meinen früheren Kommissions- 
Präsidenten Prof. Brun der Fall. Aber es 50ll mich sehr freuen, wenn 
üas an sich ebenso dankbare wie schlecht bezahlte Amt eines Sekretärs 
der Gottfr. Keller-Stiftung in berufenere Hände kommt. Ich habe nun
	        
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