Volltext: Korrespondenz Zürcher Kunstgesellschaft, Sammlung, 01.01.1943-31.12.1943, A-M

FRANZ MEYER 
ZURICH 
SÜDSTRASSE 40 
den 19.April 43 
Herrn Dr.,W.Wartmann,Direktor der Zürcher Kunstgesellschaft 
Kunsthaus 
Zürich 
Sehr geehrter Herr Doktor, 
Eben habe ich Ihren von heute datierten 
Brief erhalten und mit Befriedigung festgestellt,dass die beiden Bilder von Borgeaud, 
die in der Sitzung der Sammlungskommission vom 31.März dem Vorstand zum Kaufe vor- 
geschlagen wurden,nun mit der Bezeichnung reserviert versehen wurden, wie dies der 
Vorstand in seiner letzten Sitzung zu tun gebeten hat, 
Aus Ihrem Briefe geht hervor,dass 
die Beschlüsse jener Sitzung nur gültig sind, insofern sie mit Ihren Vorschlägen 
übereinstimmen ,bei Abweichung aber einer Ueberprüfung durch eine spätere besser 
d.h.vollzähliger besuchte Versammlung unterliegen,welches Procedere kaum statuten- 
gemäss genannt werden kann,praktisch aber nicht unbedingt abgelehnt zu werden braucht 
Es würde aber wohl sehr zur Vereinfachung zwi der Angelegenheiten und so zur Zeit- 
ersparnis beitragen,wenn Sie diese Ihre Ansicht gleich beim Fassen der Beschlüsse 
bekannt geben würden. 
Unter den obwaltenden Umständen 
scheint mir eine Einladung der'Freunde ostasiatischer Kultur!'zur Ausstellungs- 
eröffnung Hiroshige in höchstem Masse unorportun und der einzige Ausweg zu sein, 
dass Interessenten induviduell von uns zum Besuch aufgefordert werden, 
Wir haben Kentnis von der Irennung in der Gesellschaft und wir wissen auch,dass 
ein Teil gerade der Leute mit denen wir als Revyräsentanten der. Gesellschaft bis 
jetzt zu tun hatten, im Krach ausgetreten ist.-Es müsste von diesen Leuten als 
unfreundlicher Akt aufgefasst werden,wenn wir die Gesellschaft,die momentan 
unter der vorläufigen Leitung der Gegener unserer Bekannten steht ,einladen würden. 
Schliesslich haben wir ja auch noch nie eine Gesellschaft in globo zu einer Eröff- 
nung eingeladen,die vorliegenden Verhältnise laden nicht dazu ein eine Ausnahme hier 
Zu machen. 
Wit höflichen Grüssen 
CE 
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