Full text: 1914-1916 (1914-1916)

er notdurftgebundene Mensch denkt die endlichen 
Dinge der Welt. Und die endlichen Abhängig 
keiten. Er denkt Gedanken. 
Der freie Mensch fühlt, ahnt, glaubt die 
unendlichen Dinge. Er fühlt sich von Ideen 
gehemmt oder getragen. 
Gedanken sind Signaturen endlicher Dinge. Sie charak 
terisieren endgültig das Begrenzte. Beschreiben dessen Eigenschaften. 
Idee, das ist der Hinweis auf Übermächte. 
Hier habe ich ein Glas Wasser. Ich kann es trinken. Ich 
kann es vergießen. Der enge Becher halt eine endliche Menge. 
Ich kann sie messen. 
Ein Becher Wasser ist ein restlos klarer Tatbestand. 
Hier langt der Begriff zu. 
Das ist ein Gedanke. 
Auch H s O ist nur eine endliche Handhabe für den rechnenden 
Menschen, um Wasser für seine feinen Mischzwecke und Zerlegungs 
zwecke brauchbar zu machen. 
Aber Wasser ist auch eine Idee. Eine Übermacht. 
Die Übermacht Wasser geht in den Stürmen und Ln den Sternen. 
Sickert in unterirdischen Höhlen, Millionen Jahre ohne lichten Tag. 
Wogt grenzenlos im Meere. Wasser ist Blut. Wasser sind alle 
Lebenssäfte. Wohin ist plötzlich alles Leben vergangen, wo die 
Nordpolkälte das Flüssigste in das sprödeste Harte verwandelt? 
Auch der größte Zungenjongleur könnte dieser Übermacht keine 
Grenzen finden. Glicht das Grenzenlose ihres Daseins Ln verständ 
liche Absichten und Drange aufiösen. 
Gedanken sind kleine Becher, um von dem Unendlichen und 
Unbegreiflichen zu schöpfen. 
Ideen sind Übermachte ohne Ursprung und Motive. 
Der Mensch. Der Barbier Rrause. Ich kenne seinen Flamen 
und sein Romerfei. Ich kenne seine Frau und seine Rinder. Ich 
weiß den Weg zu seinem Rasiersalon. Er nimmt fünfzehn Pfennig 
für einmal Rasieren.
	        
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