Full text: Hurra! Hurra! Hurra!

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lichkeit eines solchen Geschehens bewußt werden. Der Merk war 
wütend und mit der Freundschaft war es aus. 
Was war das ganze Gerede über die Schönheit des männlichen 
Körpers nun gewesen, so zwecklos wie — na, es war eklich über 
haupt. Er, Kutschenbauch, tat aber nun sehr wissend und überließ 
sich wieder einem poetischen Triebe. Hier ein Sonett von ihm: 
Und da mein Auge sah durch Erdenschlünde, 
Aus Schlamm und Nacht zu Licht und kühlen Winden, 
Draus alles wächst zu ewigen Feuersonnen 
Wo Schlaf und Schweigen Jubelndes verkünden. 
Nur was die Fasern schlägt in Gram und Grauen 
In Tiefen, Schächten und in schwarzen Bronnen, 
Und Aderwässern wird zu Bluteswonnen. 
Tod, Tag und Träume ruhen, 
W urzel versp onnen 
Ward ich gewürdigt neues Licht zu finden. 
Der feinste Duft des Leidens ist die Lust, 
Der Schmerz nur darf in lichte Himmel schauen — 
Wird sich der Blütenseligkeit bewußt — 
Ist Spiel und Spiegel — 
Selig ist die Fläche, 
Nur über schwarze Tiefen tanzen Bäche. 
Sehr schön eigentlich, so etwa wie Sonette Schopenhauers. 
Ueberhaupt — man möchte kaum glauben, was für talentierte Leute 
in Deutschland umherlümmeln. Es ist eben das Land der Dichter 
und Denker. 
Doch, doch, es gibt viele Persönlichkeiten in Deutschland, 
jeder Unteroffizier, ja Dein Portier ist individuell begabt. — Aber 
du lieber Himmel, was hilft das alles. Unser Adolf Kutschenbauch 
wußte sich vor Individualität garnicht zu lassen. Er wußte nicht, 
was er mit sich anfangen sollte, kurz und gut: nach allen mög 
lichen Versuchen mit Schönheit, Philosophie, Suff und Tripper 
war er ganz und gar am Ende. Vielleicht wäre er wirklich wie 
eine Uhr abgelaufen, eingedenk des Schopenhauerschen Wortes, 
daß die Jugendgenialität sich später total verflüchtig, vielleicht 
hätte er eine Familie gegründet, und eine holde Frau und
	        
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