Full text: 1914-1916 (1914-1916)

42 
Statt zu sagen: Das ohnehin leidige Übel des Todes ist hier durch 
die Unfähigkeit, Dinge besser zu ordnen, verstärkt und vervorzeitigt... 
Der Tod bekommt „einen Sinn". Er meint: einen Zweck. 
Als ob ihn jeder Selbstmord nicht langst gehabt hätte. 
Er will sagen: „Man weiß nun, wofür die Leute sterben." 
Man weiß es nicht immer! (Man hat jedoch immer gewußt: für 
das Nachrücken der andren.) 
Der folgsame Denker spricht hierauf scharfsinnig: 
„Der Rrieg kann von der Philosophie nichts lernen, 
aber Psychologie und Moral haben vom Rriege mancherlei 
zu lernen." 
Genau so geistreich wäre: „Ein Lift-Einsturz kann von der Philo 
sophie nichts lernen — aber die Philosophie von einem Lift-Einsturz." 
Rinder, Rinder. 
Standhalten. 
Ich bekomme jetzt aus dem Heer, vor ihrem Tod, Briefe von 
fremden Leuten. Fast jeden Tag. 
laicht bloß von sinnend jungen Menschen, — ich wußte, daß 
ich ihnen etwas war. 
Sondern von der geborenen Widerpartei. Mit steingrau andren 
Vateridealen. Früher bei zufälligem Lesen haben sie einen Haß 
gespürt. .. jetzt wissen sie, daß an solchen Schmiedungen etwas 
Rechtes war. Man ist im innersten bewegt, möchte zum Abschied 
jedem die Hände drücken: dennoch hält ihnen die Wahrheit stand. 
Solche Briefe zu bekommen ist herrlich — darum der Anlaß noch 
lange nicht. 
... Es war billiger zu machen. 
Erdbeben. 
Beim Erdbeben kullert ein verlorenes Zwanzigmarkstück unter 
der Truhe vor. 
„Hosiannah!" schreit Philosoph und Literat — „sei gegrüßt, 
Erdbeben, es ist vorgekullert!" 
Losung. 
Bleibt unverwirrt. 
Alfred Rerr
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.