Full text: Schutzhaft : Erlebnisse vom 7.-20. März 1919 bei den Berliner Ordnungstruppen (2)

3 
A m Freitag, den 7. März, abends 6 Uhr befand ich mich bei 
Angehörigen. Es klingelte; ich selbst öffnete; hereintraten 
zwei Kriminalbeamte mit einem bewaffneten Soldaten, hielten 
mir eine Nummer der Zeitschrift „Jedermann sein eigener Fuß 
ball“ vors Gesicht, fragten in barschem Ton: „Sind Sie der 
Herausgeber?“ Ich bejahte, daraufhin forderten sie mich auf 
ihnen in den einige Häuser nebenan befindlichen Verlag zu 
folgen. Dort angelangt, sah ich, daß die Tür erbrochen war; 
ich beschwerte mich deshalb bei den Beamten, die erwiderten, 
sie haben den Zettel an meiner Tür, aus dem hervorging, wo 
ich mich gerade befand, erst nach erfolgtem Einbruch wahr- 
genommen. Abhanden gekommen schien mir nichts. 
Man beschlagnahmte darauf 200 bis 300 Exemplare der Zeit 
schrift, außerdem 100 Sonderabzüge auf Büttenpapier, mehrere 
Plakate, einen Fächer, eine Originalzeichnung und Verlagspost 
aus früherer Zeit. Ebenso nahm man zur Probe je ein Exemplar 
aller Hefte der 1916/17 erschienenen Zeitschrift „Neue Jugend“ 
mit. Man fragte mich, ob ich die Zeitschrift „Jedermann sein 
eigener Fußball“ während des Belagerungszustandes heraus 
gegeben habe. Ich verneinte unter Hinweis auf das Datum der 
Nummer (15. Februar), verneinte auch die Frage, ob ich während 
des Belagerungszustandes den öffentlichen Vertrieb fortgesetzt 
habe. (Was übrigens kein Verstoß gegen diesen gewesen wäre.) 
Ich protestierte gegen meine Verhaftung; man erklärte, ich 
sei nicht verhaftet, solle lediglich ins Eden-Hotel folgen, um 
dort Aussage zu machen. Im Zivilauto fuhr ich daraufhin 
nach dem Eden-Hotel zusammen mit den Kriminalisten und zw’ei 
Soldaten. Die Behandlung war nicht höflich, immerhin aber loyal. 
Im Eden-Hotel ließ man mich inmitten von (meist sehr jungen) 
Offizieren und vielen sich sehr ungeniert gebärdenden weib 
lichen Personen (vermutlich Prostituierten im Spitzeldienst) im 
Gange warten, zeigte meine Zeitschrift verschiedenen Offizieren 
als Sensation, — und nach fünf Minuten kehrten die beiden 
Kriminalbeamten mit einem vorläufigen Haftbefehl zurück, dem 
gemäß ich, ohne verhört worden zu sein, durch Soldaten der
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.