Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

polizeiliche Schnüffelei, zn der nicht der geringste 
positive Anhalt vorlag', und die sich als ein empören 
der Eingriff in die Preßfreiheit und das Redaktions 
geheimnis charaktersisiert, mnß die demokratische 
Oeffentliohkeit entrüsteten Protest einlegen. 
Die eigentümliche zeitliche Verbindung der Er 
eignisse, die vom deutschen Propägandädienst über 
„Münchner Neueste Nachrichten“ und „Frankfurter 
Zeitung“ zum 'bekannten „Kaiserkonzern“ der Schwei 
zer Presse, von da in die eidgenössische Preßkontroll- 
komimission und schließlich in die schweizerische 
Bundesanwaltschaft führte, muß noch unerörtert 
bleiben. 
Diese Bundesanwaltschaft ist das einzige Organ 
unseres Staates, das sich jeder idemokratischen Kon 
trolle entzieht, das bei der Ueberwachung politischer 
„Verbrecher“ an mit dem Ausland geschlossene Ver 
träge gebunden ist, die dem schweizeischen Parlament 
nie vorgelegt wurden. Die Bundesanwaltschaft ist 
dem Schweizer Volk, gegen den Willen des Bundes 
rates, von Bismarck auf gezwungen worden. Sie ist eine 
ihrer innersten Natur nach verfassungswidrige Be 
hörde. 
Sie ist nunmehr im Besitz eines Adressenmaterials, 
an dessen Kenntnis nicht die schweizerische, wohl aber 
die preußische Regierung lebhaftes Interesse hat. Wir 
hoffen, daß ein politischer Kompensationsverkehr 
Bern-Berlin, nach Art des militärischen Kourier- 
dienstes unter Egli-Wattenwyl, nicht besteht. Oder 
wenigstens zurzeit nicht besteht. Wir hoffen .... 
Aber wir stellen fest: all unsere Angriffe auf 
Deutschland und den deutschen Kaiser hielten sich im 
Rahmen der Preß- und Meinungsfreiheit. Sie reichten 
nicht entfernt an die Unflätigkeiten heran, die in 
Schweizer Blättern schon über Präsident Wilson zu 
lesen waren. Nicht zu reden von der Art und Weise, 
wie in der germanophilen Presse über den Exzaren 
Nikolaus, die Könige von England, Italien, Serbien, 
Präsident Poincare häufig und ungestraft gesprochen 
wurde. Und wir fragen:
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.