Full text: Gedächtnis-Ausstellung Hans Sturzenegger - 1875 - 1943

die ewig wach hinter den dunklen Wimpern lagen: beobachtend, 
prüfend, nach einem kurzen Blick rasch abschweifend von dem 
äußeren Objekt ins eigene Innere hinein, und dann ebenso 
schnell zurückkehrend zu ihrem Gegenstand, um ihn von neuem 
abzutasten und das Wesentliche an ihm zu sammeln. Wie glück- 
lich konnten sie strahlen, wie sonnig und gütig oder verschmitzt 
konnten sie leuchten! Wie konnten sie aber auch plötzlich er- 
schrecken und für einen bangen Augenblick beinahe hilflos 
werden, wie konnten sie sich ebenso plötzlich kritisch zusam- 
menziehen und deutlich ablehnend werden oder scharf und 
heftig hervorschießen aus ihren Höhlen, wenn ein Sturm los- 
brach in seinem Gemüt und es etwas, was ihm wert war in 
seinem Herzen, gegen Engherzigkeit, Banausentum, Leicht- 
fertigkeit, rohe Lebens- und Geistesart oder gegen gewollte 
Ungerechtigkeit zu verteidigen galt. Dann konnte ein Donner 
losbrechen aus seinem Mund, und das Objekt seines Mißfallens 
hatte nichts mehr zu lachen. Denn Sturzenegger war unter der 
Oberfläche seiner scheinbaren Gelassenheit ein leidenschaft- 
licher Mensch, und die Treue zu sich selbst ging ihm über alles. 
Diese Treue zu sich selbst, die bedingungslos war, stand 
überhaupt wohl im Zentrum seiner Persönlichkeit und hat ihn 
zu der Gestalt von ausgeprägtem eigenem Wuchs gemacht, als 
die wir ihn kennen: sowohl in rein menschlichem wie in künst- 
lerischem Betracht. Ich wünsche meinen lieben toten Freund 
nicht zu heroisieren. Aber er war ein Mensch ohne Falsch — 
und wenn ich das sage, so glaube ich nicht nur einen bestimmten 
einzelnen Zug seines Wesens genannt zu haben, den jeder an 
ihm erfahren hat, der zu näherem Umgang mit ihm gekommen 
ist, sondern ich glaube damit auch das Geheimnis seines 
menschlichen Zaubers und seiner langen erfolgreichen Maler- 
tätigkeit so weit gelüftet zu haben, daß alles, was sonst noch 
an ihm bemerkenswert war, sich wie die selbstverständliche 
Begleitmusik zu dieser Grundmelodie seines Wesens ausnimmt. 
Ganz vorn in dieser Begleitmusik steht, wie ein Posaunen- 
ton, sein großer persönlicher Mut. Es gibt im Leben Lappalien- 
oO
	        

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