Full text: Die Flucht aus der Zeit

Die Kulisse. 
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Bertoni (im „Reveil“) begeht denselben Fehler wie Landauer. 30. VI. 
Er bekämpft Programme statt Charaktere. Man muß in solchen 
Zeiten vor allem lebendig sein. Nicht Abstraktionen und Dok 
trinen bekämpfen, bei denen sich jeder das Seine denkt und 
was vieler unklarer Worte bedarf; sondern die prominenten Per 
sonen und Begebenheiten. Ein einzelner Satz genügt, es muß 
nicht das ganze System sein. 
* 
Die Revolution als art pour l’art bestrickt mich nicht. Ich 
will wissen, wohin eine Sache führt. Fände ich, daß das Leben 
konserviert sein will, um zu bestehen, so wäre ich konservativ. 
* 
Etwas ist morsch und senil in der Welt. Die wirtschaft 
lichen Utopien sind es ebenfalls. Es fehlt eine weitverzweigte 
Konspiration der ewigen Jugend, die alles Edle in ihren Schutz 
nimmt. 
* 
Proudhon, der Vater des Anarchismus, scheint auch der erste 1. VII. 
gewesen zu sein, der um die stilistischen Konsequenzen wußte. 
Ich bin neugierig, etwas von ihm zu lesen. Hat man nämlich 
einmal erkannt, daß das Wort die erste Regierung war, so führt 
dies zu einem fluktuierenden Stil, der die Dingworte vermeidet 
und der Konzentration ausweicht. Die einzelnen Satzteile, ja die 
einzelnen Vokabeln und Laute erhalten ihre Autonomie zurück. 
Vielleicht ist es der Sprache einmal beschieden, die Absurdität 
dieser Doktrin ad oculos zu demonstrieren. 
* 
Schon der sprachbildende Prozeß wäre sich selbst zu über 
lassen. Die Verstandeskritik müßte fallen, Behauptungen wären 
vom Übel; ebenso jede bewußte Verteilung der Akzente. Die 
Symmetrie würde voraussichtlich unterbleiben, die Harmoni- 
3*
	        

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