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die Bewegung Deiner Därme und Du, der Du sooft 
in Gefahr warst, an einer Fischgräte zu ersticken, lebst 
immer noch. Du ziehst Dir die Decke über den Kopf 
und pfeifst den Hohenfriedberger. Und wer weiß, jubele 
nicht so früh, der andere Tag sieht Dich vielleicht am 
Tisch, die Feder stoßbereit, gebeugt über Deinen neuen 
Roman „Gesindel“. Wer weiß! Das ist der reine Dada 
ismus, meine Herrschaften. Wenn dieser Tristan Izara 
nur einmal ein wenig von dem Sinne dieser famosen 
Existenz, die man zwischen Affen und Wanzen so dahin 
führt, begriffen haben würde, er hätte aus dem Dadaismus 
keine abstrakte Kunst gemacht. Er hätte den Schwindel 
der ganzen Kunst und aller Kunstrichtungen eingesehen 
und wäre Dadaist geworden. Wo haben diese Herren, 
die wert darauf legen, in einer Literaturgeschichte ge 
nannt zu werden, ihre Ironie gelassen — wo ist das 
weinende und das lachende Auge über dem ungeheueren 
Hintern und Karneval dieser Welt? Sie haben ihre Selb 
ständigkeit hinter ihren Büchern eingebüßt, der Ehrgeiz, 
noch nicht so berühmt zu sein wie Rabelais oder Flaubert, 
hat ihnen den Mut zum Lachen genommen — sie haben 
noch soviel zu marschieren, soviel zu schreiben, soviel 
zu leben. Rimbaud sprang ins Meer, um nach St. Helena 
zu schwimmen, Rimbaud war ein Kerl, sie sitzen in den 
Cafes und meditieren, wie man am schnellsten ein Kerl 
wird. Sie haben einen akademischen Begriff vom Leben — 
alle Literaten sind Deutsche; sie werden deshalb niemals 
zum Leben kommen. )a, Rimbaud begriff sehr wohl, 
daß Literatur und Kunst sehr verdächtige Dinge sind — 
wie gut läßt sich dagegen als Pascha leben oder als 
Bordellbesitzer, wo das Knacken der Betten einem ein 
Lied von sich mehrenden Einnahmen singt, ln Tzaras 
Händen hat der Dadaismus große Erfolge gehabt. Sie 
schrieben Bücher, die in ganz Europa gekauft wurden; 
sie gaben Abende, zu denen Tausende sich drängten. Die 
Presse der Welt nahm sich der dadaistischen Kunstrichtung 
an. Eine neue Sensation, meine verehrten Herrschaften.
	        

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