Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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tage des „Hottentottenblocks“ das Reichsvereinsges etz 
zu erlangen, durch das die fremdsprachigen Reichs 
bürger unid die jugendlichen Arbeiter benachteiligt 
wurden. Bethmann-Hollweg stützte sich damals auf 
Konservative und Nationalliberale und (die Mehrheit 
der Fortschrittler gegen Zentrum, Sozialdemokraten, 
Polen und fortschrittliche Demokraten. 
Der Biilowblock fiel und Bülow mit ihm. Bülows 
scheinbar allergetreuester Vasall wurde Bülows Nach 
folger. Die Getreuen des gestürzten Kanzlers paro 
dierten: 
„Der Kneeht hat erschlagen den edlen Herrn, 
Der Knecht war’ selber ein Kanzler gern.“ 
Im Reichstag führte sich der neue Kanzler ein 
mit einer Rede über das Thema: Vom Nutzen der 
Arbeit und den Gefahren des Müssiggangs. An Stelle 
des „Hottentottenblocks“ war der schwarz-blaue (kon 
servativ-klerikale) Block getreten. Auf diesen Block 
stützte sich Bethmann. 
Der Stern des schwarz-blauen Blocks, der niemals 
besonders hell geblinkt, begann zu erlöschen. Die Nach 
wahlen fielen mit tödlicher Sicherheit zugunsten der 
Linken aus. Vorsichtig tastend suchte sich Bethmann 
linkswärts zu orientieren. Er gab Elsaß-Lothringen 
eine — freilich recht beschränkte — Art Selbstver 
waltung. 
In Preußen stand’s anders. Dort war der — durch 
reaktionäre Rechtsnationalliberale nach Bedarf ver 
stärkte — schwarz-blaue Block vorläufig unerschütter 
lich. Während also der Reichs-Bethmann schon an 
fing, etwas ins Demokratische hinüberzuschillern, 
brachte der preußische Hollweg eine Wahlvorlage ein, 
die selbst der nicht gerade ultra-demokratischen „Köl 
nischen Volks-Zeitung“ und ihrem Berliner Korrespon 
denten, dem nachmaligen Hindenburg-Eisele, „chine 
sisch“ vorkam. Die LandtagssoziaMemokraten, dar 
unter der jetzige eifrige Majoritär Leinert, empfingen 
den Ministerpräsidenten, als er diese Vorlage ein 
brachte, mit (dem liebenswürdigen Zuruf „Volksver 
räter“, worüber sich der unter dem Pseudonym Paul 
Liman schreibende Saul Lippmann so entrüstete, daß
	        

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