Full text: Johann Heinrich Füssli

wenigen Proben schon schlagen wir die Brücke vom Gelehr- 
ten und Lehrer zum Schüler und Künstler. 
Als Jüngling von 25 Jahren vollendet Bodmer im stillen 
Greifensee die Uebersetzung von Miltons Verlorenem Para- 
dies. Sie wird 1732 in Zürich gedruckt und bis 1780, stets 
wieder überarbeitet, auch neu betitelt, fünfmal neu aufgelegt. 
1737, 1747 und 1752 folgen Uebersetzungen von Butler, 
Parnell und Pope. Milton gilt noch einmal die „Critische Ab- 
handlung von dem Wunderbaren in der Poesie und dessen 
Verbindung mit dem Wahrscheinlichen" von 1740, an die sich 
im Jahr darauf, im Sinn der Maler-Diskurse die „Critischen 
Betrachtungen über die Poetischen Gemälde der Dichter" 
schließen. 1755 bringt Bodmer unter „Fragmenten in der er- 
zählenden Dichtart” Proben aus der Odyssee, 1760 den 
vierten und sechsten Gesang der Ilias in deutschen Hexa- 
metern; schon 1757 „Chriemhildens Rache und die Klage” 
neben weiteren Teilen der Nibelungen. Tasso trägt er schon 
während seiner kaufmännischen Studienzeit in Italien bei sich; 
1753 widmet er ihm den Aufsatz „Tassos Jerusalem verteidigt”. 
Mit Dante beschäftigte er sich gleich wie mit Milton. Das noch 
heute faßbare Ergebnis sind die beiden großen, literarisch 
wertvollen Aufsätze von 1749 und 1763 „Von dem Werte 
des Dantischen dreifachen Gedichtes” und „Ueber das drey- 
fache Gedicht des Dante”. Shakespeare kennt er seit 1724 
und gießt ihn seit der Mitte der 1750er Jahre begeistert und 
unbeschwert in die ihm nicht ganz angemessenen Gefähe 
eigener dramatischer Versuche. 
Das Entscheidende an derartigen Bestrebungen, gelten sie 
Milton, Dante, Shakespeare, Homer oder dem deutschen 
Mittelalter, ist, in größerem Zusammenhang gewertet, ihre 
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