Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

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auf einer Postkarte vermerkte, der Herr Anwalt wolle 
ihn offenbar nicht verstehen, der Fall sei doch sonnen 
klar, da schrieb dieser Charge zurück, er bedaure un 
endlich, mitteilen zu müssen, dass ohne einen weiteren 
Vorschuss von hundert Franken die Sache zu einem 
guten Ende kaum werde geführt werden können. 
Herr Farolyi gab den Rat, die Verteidigung doch 
selbst zu führen und auf den Advokaten überhaupt zu 
verzichten. Und auch Fräulein Lena erbot sich, für 
die Sittliche Minderwertigkeit der Klägerinnen eine 
eidesstattliche Versicherung zu riskieren. 
Aber Jenny wurde doch immer nervöser. 
„Was machst du nun, Max?“ fragte sie ernstlich 
besorgt, als Max von Farolyi zurückkam. 
„Was mach’ ich? Verteidige mich selbst.“ 
Und er nahm Feder und Papier zur Hand und be 
gann die Verteidigungsschrift aufzusetzen. 
Die Feder spritzte und die Worte sträubten sich. 
Aber es ging. ! 
,An den Herrn Präsidenten des 
Kantonalen Obergerichts, Bern/ 
Da stand es. Das war die Instanz. Und Jenny bekam 
einen Schreck, als sie’s so stehen sah. 
Aber Flametti liess sich nicht stören. Mit einer 
schier unpersönlichen Korrektheit entledigte er sich 
der schwierigen Arbeit. 
Er brauchte sich nur in die disziplinarische Ver 
fassung von damals zu versetzen, da er auf dem Ka- 
sernhof zum erstenmal den Befehl eines Vorge 
setzten entgegennahm, und die Stilnuance war gefunden. 
„Fertig, aus!“ rief er, als er nach zweistündiger 
Arbeit unterschrieben und abgelöscht hatte. Er über
	        

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