Full text: Die Flucht aus der Zeit

Von Gottes- und Menschenrechten. 
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gesunken, zertrampelt und zertreten worden. Die alldeutsche 
Presse frohlockt darüber. In seinem „Aufruf zum Sozialismus“, 
und zwar am Schlüsse, schrieb er: ,Was liegt am Leben? Wir 
sterben bald, wir sterben alle. Wir leben gar nicht. Nichts lebt, 
als was wir aus uns machen; die Schöpfung lebt; das Geschöpf 
nicht, nur der Schöpfer. Nichts lebt als die Tat ehrlicher Hände 
und das Walten reinen, wahrhaften Geistes/ 
* 
Bei meiner Rückkehr finde ich zwei neue Besprechungen vor: 
von Dr. Grba in „La Serbie“ und von Dr. Saager in der „National 
zeitung“. Die serbische freut mich ganz besonders, zeigt sie mir 
doch, daß meine Neigung für diese ernste, opfermütige Nation 
erwidert wird. Ich- weiß, die Besprechung ist eine Geste, aber 
ich will diese Geste keineswegs unterschätzen. Item: ich freue 
mich aufrichtig und habe dies auch Prof. Markowitsch sagen 
lassen. 
* 
Johann Georg Förster (Paris 1793): ,Oh, seit ich weiß, daß 28. V. 
keine Tugend in der Revolution ist, ekelt sie mich an. Die 
schmutzigen Kanäle nachzugraben, in welchen diese Molche 
wühlen, lohnt keines Geschichtsschreibers Mühe. Immer nur 
Eigennutz und Leidenschaft zu finden, wo man Größe erwartet 
und verlangt, immer nur Worte und Gefühle, immer nur Prahlerei 
statt wirklichen Seins und Wirkens — wer mag das ertragen? 4 
* 
Seit einigen Tagen beschäftigt mich wieder mein Phantasti 
scher Roman, in den ich seit Ascona keinen Blick mehr getan. 
Seltsam wie das Buch sich mit den Ereignissen weiterspinnt. Ich 
habe jetzt einen neuen Abschnitt dazu geschrieben und ihn be 
titelt „Der Verwesungsdirigent“. In diesem Kapitel wird ange-
	        

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