Full text: Schutzhaft : Erlebnisse vom 7.-20. März 1919 bei den Berliner Ordnungstruppen (2)

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von uns sei im Besitz einer Handgranate, was den Befehl de? 
Durchsuchung veranlaßte. Es wurde aber gar niemand durch 
sucht als der elegante Schweizer, bei dem man meiner Ver 
mutung nach Wertsachen oder dergleichen zu finden hoffte. 
Er mußte sich auf dem Auto ausziehen und wurde bis auf die 
Stiefel durchsucht. Man fand nichts. Ich beobachtete aber zu 
gleicher Zeit, wie eine kleine Eierhandgranate vom Chauffeur 
sitz dem Leutnant rücklings gereicht wurde, offenbar zu dem 
Zweck, einen Waffenfund zu fingieren. Man tat letzteres aber 
nicht aus mir unbekanntem Motiv; vielleicht weil der Leutnant 
meine Beobachtung wahrnahm. Ich war derart terrorisiert, daß 
ich eine mitgenommene volle Bierflasche dem Leutnant zeigte 
mit dem Hinweis darauf, daß es keine Handgranate sei. Ein 
barsches, mir unverständliches Wort war die Antwort. Der 
Schweizer war bei der Untersuchung durch Knüffe etc miß 
handelt worden. Es schien der Mannschaft hauptsächlich um 
seinen schönen Pelzmantel zu gehen, der auch trotz des 
Widerspruches des kommandierenden Offiziers vom Chauffeur 
mit nach vorn genommen wurde. Unterwegs äußerte der 
Leutnant: „Falls ein Schuß fällt, na, dann wißt Ihr ja“ mit 
einem Revolverdeuten auf uns. 
Wir fuhren lange in die Irre, weil verschiedene Straßen 
aufgerissen zu sein schienen. Unterwegs im Tiergarten mußten 
wir alle sitzen, damit wir von der Straße aus nicht gesichtet 
werden konnten, was aus Raummangel sehr schwierig und 
schmerzvoll war. Auf unsere Stimmung läßt sich leicht aus 
der Tatsache schließen, daß ich mich, so sehr es mich schmerzte, 
derart gekauert hatte, um im Fall eines Schusses sofort gegen 
die Wand von Soldaten, die uns umschloß, anspringen zu können. 
Die Fahrt verlief ohne Zwischenfall. 
Angekommen beim Lehrter Staatsgefängnis, sprangen wir 
vom Auto unter Stößen der Soldaten. A'lan führte uns an den 
Eingang des Gefängnisses. Es hieß: „zuerst den Matrosen 
(Peters) hineinführen!“ Wir Anderen mußten vor der Glastür 
stehen bleiben, durch die wir verschwommen beobachten 
konnten, was im Innern vor sich ging. Kaum war der Matrose 
eingetreten, erschoil der Ruf: „Haut ihn! Schlagt ihn tot! An die 
Wand!“, wobei ein entsetzliches Gebrüll das ganze Gefängnis 
erfüllte und sofort aus allen Ecken halb angekleidete Soldaten 
mit Gewehren herbeistürzten und auf den Matrosen einschlugen. 
Dieser zog daraufhin ein verborgenes Messer und kämpfte nun 
mit der Kraft des Verzweifelten gegen die Soldaten; minuten 
lang kämpfend, gelangten die Beteiligten allmählich in den 
Hintergrund, woselbst wir nichts mehr wahrnehmen konnten,
	        
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