Full text: Der Marstall : Zeit- und Streit-Schrift des Verlages Paul Steegemann (1/2)

Der DADA Kongreß: 
Am 2. Dezember 1919 tagte in Genf der „Erste Dadaisten ~ 
kongreß“. Auf dieser Zusammenkunft wurde von dem Dadaisten 
Arp (Die Wolkenpumpe 4.— Mk.) eine Resolution eingebracht, 
in der er erklärte, daß er vom 3. Dezember an, ab nachmittags 
3 Uhr, die Sprache verloren haben werde. Der Vorsitzende 
Dr. Sern er (Letzte Lockerung 6.— Mk.) schlug vor, aus sämt 
lichen dadaistischen Schriften die Vokabeln (Jan van Mehan, 
Weltgericht/ Tragödie der Urlaute 4.— Mk.) zu entfernen und allge 
mein gültige Siegel für die allein zu gebrauchenden Interjek 
tionen — d. h. Laute, die nur den unmittelbaren Gefühlsausdruck 
bilden und daher nicht zur Bezeichnung von Begriffen dienen, 
wie „Oh“, „Ach“ und dgl. — festzustellen. Der Antrag wurde 
einstimmig und mit Jubel angenommen. Desgleichen der Zu 
satzantrag, im persönlichen Verkehr den Gebrauch von Inter 
jektionen möglichst zu vermeiden und durch Handbewegungen 
— ä la Taubstumme — zu ersetzen. Der Bildhauer Archipenko 
verlangte, daß jede dadaistische Plastik nur verkauft werden 
dürfe, wenn der Käufer sich verpflichte, sie neben seinem 
Bette und nicht höher als dasselbe aufzustellen. Unter allge 
meiner Heiterkeit des Publikums brachte der Maler Schad den 
Antrag ein, die Bezeichnung „Bilder“ durch ein Fingerschnalzen 
anzudeuten und das Wort „Maler“ ebenso kurz wie treffend in 
„Oho“ umzuwandeln. Der Komponist Igor Stravinski erklärte, 
daß der dadaistische Musiker das Gehaben mährischer Schenk- 
ammen bei Ausübung ihres Berufes anzunehmen und die dabei 
laut werdenden Töne mit möglichster Ausnutzung der Straßen 
geräusche zu modifizieren habe. Es folgte noch eine Sympathie 
kundgebung an die römischen Trappisten, die verschämte Dadaisten 
genannt wurden. 
Theodor Däubler im Berliner Börsen-Courier: 
Kurt Schwitters ist einer der stärksten Künstler, denen lebens 
fähige Abstraktionen gelingen. 
„Sekunde durch Hirn“ 
die sensationelle Groteske von Melchior Vischer war Anlaß 
begeisterter Zuschriften und Telegramme an Autor und Verleger 
aus internationalen Literaturzentren wie Paris, Mailand, Chikago, 
Kopenhagen, Darmstadt, Barcelona, Berlin, München, Genf, 
Zürich u. a. Dadci-Radio 
21 
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