Full text: Der Marstall : Zeit- und Streit-Schrift des Verlages Paul Steegemann (1/2)

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Der Verfasser des Plakat-Inhalts scheint merkwürdige Auffas 
sungen von den geistigen Bedürfnissen der Gebildeten zu be 
sitzen, wenn er behauptet, jeder Gebildete müßte das „schöne 
Buch“ lesen. 
Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß sich scheinbar die über 
wiegende Mehrheit der Bevölkerung gesunden Sinn bewahrt hat 
und derartige „Mistpflanzen“ -zertreten helfen will. B. 
Anmerkung der Redaktion: 
Der Schlußsatz dieser Zuschrift bedarf eines einschränkenden 
Zusatzes. Absolut genommen ist es richtig, was der Verfasser 
da von der Mehrheit der Bevölkerung sagt. Aber diese fort 
gesetzte tolle Reklame für die auf ästhetisch noch wenig vor 
gebildete Leser tatsächlich nur verwirrend wirkende „Anna 
Blume“ beweist doch, daß aus dem bisherigen Vertrieb der 
Schrift stärkere Einnahmen erzielt worden sein müssen, so 
daß die nicht unerheblichen Kosten für diese Reklame für die 
geschäftlich Interessierten erschwinglich waren. Und was das 
Plakat anbelangt, so wird man trotz der vom Verfasser ange 
führten „Randbemerkungen“ aus dem Volke doch mit Goethe 
sagen müssen (Brief an Zelter vom 30. Oktober 1808): „Übrigens 
gibt es noch immer Menschen genug, die dergleichen Dinge 
anstaunen und verehren, weil das Publikum es jedem Dank 
weiß, der ihm den Kopf verrücken will . . .“ 
Entgegnung-. 
Im Hannoverschen „Volkswillen“ vom 23. Juni ist ein Protest 
eines Herrn B. gegen meine Dichtung „An Anna Blume“ und 
eine Wiedergabe der Eröffnungsrede der Darmstädter Expressio 
nistenausstellung von Kasimir Edschmidt erschienen. Ich er 
laube mir, einigen Vorwürfen des Herrn B. einige allgemeine 
Bemerkungen Edschmidts aus derselben Nummer des „Volks 
willens“ nachzuweisen. 
B. schreibt: „Meines Erachtens waren es meist vernünftige Men 
schen, die mit Kopfschütteln die Plakatsäule mit dem Gedicht 
„An Anna Blume“ verließen und dabei riefen: „Was soll solch ein 
Blödsinn?“ Edschmidt: „Die Subalternen des Geistes werden, 
wie seit Jahrhunderten, das ihnen Ungewöhnliche befeixen, das 
wird wenig bekümmern.“ 
B. zitiert eine anonyme Beschreibung des Anna-Blume-Plakates 
als Ausdruck des „lebhaften Widerwillens unter der Bevölkerung“: 
„Wer dieses Buch kauft und es dann liest, der ist ein Narr und 
Idiot.“ Edschmidt: „Troddel und. Idioten werden grinsend vor
	        

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