Full text: Der Marstall : Zeit- und Streit-Schrift des Verlages Paul Steegemann (1/2)

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Bütten, mit handkolorierten Bildern und in Pergamentbänden 
mobil. . . . “ 
Ich möchte nicht diskutieren: Hat die Ablehnung eines Manuskripts 
Einfluss auf die Kritik... Aber diese merkwürdige Kritik des Herrn 
Brieger hatte Einfluss auf die Geistes-Haltung einiger Mitglieder des 
Börsenvereins der deutschen Buchhändler, die dem,, Volksbunde gegen 
Schmutz in Wort und Bild“ eng liiert sind. Diese Herren glaubten 
pornographischen Rauch zu riechen und begannen — ohne das Werk 
zu kennen — eine unerhörte Hetzarbeit gegen mich, deren Gipfelpunkt 
der Antrag auf Ausschluss aus dem Börsenverein war. Dass diese 
Herren gleichzeitig einen Kampf gegen einige Verleger erotischer 
Belletristik führen, kümmert mich nicht. Ich habe mit Pornographie, 
mit ,, Sch mutz in Wort und Bild“ nichts zu tun. Mir geht es um 
die Kunst, um den Geist, um das menschliche Leben. 
Ich habe den Fall der Grossen Presse übergeben. Hier sind einige 
Äusserungen: 
BERLINER TAGEBLATT: ZANK UM VERLAINE? 
Vor zehn Jahren wurde in Paris, zwischen den Bäumen 
des Luxemburg-Gartens, ein Denkmal für Paul Verlaine ent 
hüllt. Ein Minister hielt eine Ansprache, ein gelehrter Professor 
analysierte die Lyrik des großen Dichters, „den das Leben so 
grausam zerfetzt habe und der in Schmutz und Schmerz der 
Erfahrung doch immer ein unerfahrenes Kind geblieben sei“, 
und mehr als ein halbes Hundert lebendiger Poeten, die (bis 
auf den einen Verhaeren!) alle zusammen nicht so viel wert 
waren, wie der Tote, pries in einem stattlichen Sonderdruck die 
weinende Kunst des armen Lelian. 
Heute, nach einem Dezennium, soll auch im Land der Dichter, 
in Deutschland, ein Denkmal für Verlaine errichtet werden, aber 
ein Monument der Schande. Ein junger Verleger, Paul Stee- 
gemann in Hannover, hat es gewagt, Verlaines am wenigsten 
gekanntes und am meisten geschmähtes Buch „Frauen“ in der 
musterhaften Verdeutschung Curt Morecks als Privatdruck für 
Literaturfreunde herauszugeben und wird deshalb mit einer Er 
bitterung verfolgt, die auch die Ehre des toten Dichters bedroht. 
Zunächst muß die Frage erlaubt sein: warum der Lärm? Die 
Ausgabe ist teuer und nur den Leuten zugänglich, die sich einen 
Abzug durch Namensunterschrift gesichert haben. Es ist also 
dafür gesorgt, daß Unreife ihre schmutzige Neugier nicht be 
friedigen können. Dann aber sollten wir uns doch endlich einmal
	        

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