Full text: Almanach der Freien Zeitung (1918)

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tum und seine südöstlichen Bündnisse; in Oesterreich 
aber teilten sie die Ansicht der Hetzpresse und be 
lächelten den Selbstbestimmungswillen der unter 
drückten Südslawen und Tschechen. Doch kann man 
sagen, daß 1914 diese Ideologen Fiasko machten, als 
gerade das Selbstbewußtsein und der Freiheitsdrang 
bosnischer Südslawen für Oesterreich und die ver 
bündete Berliner Regierung Anlaß zum Losschlagen 
wurden. Ein Veto und Aufstand aller freiheitlich und 
demokratisch gesinnten Mächte der Welt gegen den 
theokratisch-militärischen Jesuiten- und Gewaltblock, 
gegen die gotischen Vorurteile und Privilegien, war 
die Folge. Der Weltkrieg aber brachte es mit sich, 
daß nicht nur die politische Emanzipation der deut 
schen und österreichisch-ungarischen Völker, sondern 
auch deren zurückgebliebene moralische, religiöse und 
intellektuelle Entwicklung zur Diskussion gestellt 
wurde. 
5. 
Hinter einem materiellen Aufkläricht, hinter dem 
Perfektions drill einer jahrzehntelangen Militärherr 
schaft und den Finessen einer sophistischen Universi 
tätskamarilla traten geistige Armut und Verwilderung 
in erschreckender Weise zutage. Wohl fanden sich 
vereinzelte Individuen, die der allgemeinen Besessen 
heit und Instinktlüge widerstanden uhd die völker 
verbindenden Gedanken verteidigten. Unter dem gras 
sierenden Einfluß eines systematisch gezüchteten 
Rassenhasses aber blieben sie machtlos, verhöhnt und 
beiseite geworfen. Größere Gruppen, die zur Vernunft 
rufen konnten, fanden sich nicht, und das ist das Trost 
lose unserer heutigen Situation, daß wir jetzt, wo 
Niederlage uüd Not uns drängen, gezwungen sind, 
mit unzureichenden Mitteln und unter schärfster
	        

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