Full text: Johann Heinrich Füssli, Henry Fuseli, 1741 - 1825

VI 
Flucht und Abkehr vom heimatlichen Jugendland zu raschem Vergessen 
im Untergehen und Neuauftauchen im großem Rhythmus und Sinn 
des mächtigen fremden Landes,- er selber ein Abtrünniger, ein ver- 
lorener Sohn, ohne Dank und Reue, So sahen ihn seine schweize 
rischen Zeitgenossen, Hundert Jahre haben sich immer wieder ihre 
Augen entliehen. 
Man kann ihn aber auch ganz anders sehen, so bald man auch 
beachtet woher er gekommen, statt einzig wohin er gegangen 
ist, was er aufgenommen, statt nur wie er sich geäußert hat, welcher 
Art sein Antrieb, nicht nur das Ziel gewesen ist. 
Ein früherer Lehrer und Hausfreund, der Zürcher Chorherr 
F, Nüscheler, der seine Enttäuschung über eine spätere Vernach 
lässigung durch den in die große Welt hineingewachsenen Füßli 
nirgends verhehlt, hat sich aufgerafft, um für die merkwürdige 
Unternehmung einer zürcherischen Ausgabe von «Füßlis sämtlichen 
Werken» die einleitende Lebensbesdireibung zu verfassen. Die 
Publikation erschien im Jahr 1807 mit dünnen Umrißstichen, haupt 
sächlich von H, Lips, erlosch aber nach zwei Lieferungen,- die Lebens 
geschichte, in der Handschrift etwas ausführlicher als in der ge 
druckten Fassung, ist Fragment wie die ganze Publikation. Nüscheler 
gesteht, daß er seit Füßlis erster Abreise von Zürich nur einen, 
und seit der zweiten gar keinen Brief mehr von ihm erhalten habe,- 
er hat Füßli nur in Zürich gekannt und gesehen. Die persönliche 
Entfremdung und der lange zeitliche Abstand machen sich merklich 
abkühlend geltend,- Nüscheler spricht von Füßli wie von einem 
ganz fernen Menschen, fast wie von einem schon längst Verstorbenen, 
Seine Darstellung gibt aber die kostbarsten Einblicke in Füßlis 
Elternhaus und in seine ahnungsvolle, unruhige Jugend, da alles 
sich vorbereitet und innerlich schon formt, was später vor uns sich 
entrollt. 
Da ist, neben der stillen «von der Welt und dem Umgang mit 
Menschen ganz abgezogenen» Mutter, Johann Caspar Füßli, der 
Vater, «der einen Teil der Zeit seines Lebens in der Welt und an 
Höfen als Maler sich aufgehalten und im Rummel der Künstlerwelt gelebt 
und ihre oftmals leichtsinnige und lockere Denkensart angenommen, 
sie aber mit der Gewandtheit eines Hofmannes verband». Dieser 
Vater, «der in allem einen absprechenden Ton liebte» gibt einigen
	        

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