21 
La premiere aventure celeste de Mr, 
Antipyrine. 
Zu derselben Zeit in Auftrag gegeben, aber durch die Dumm 
heit des stumpfsinnigsten Druckers von der Welt um zwei 
Monate verzögert: 
„Die phantastischen Gebete“. 
Verse von Richard Huelsenbeck. 
Die phantastischen Gebete sind die ersten dadaistischen 
Verse in deutscher Sprache. Sie sind in deutscher Sprache 
zum erstenmal das, was man in den Kreisen von Apollinaire 
und Max Jacob unter vers libre versteht, aber innerhalb 
der einzelnen Verse, die durch keine rhythmische oder ge 
dankliche Synthesis gebunden sind, bleiben die Worte 
sphärische Gebilde für sich, kleine Welten, die ihr eigenes 
beben und ihre eigenen Gesetze haben. Zeitungsnotizen / 
und Annoncen durchlaufen den Text und sind hier von 
demselben Wert wie die fremden Materialien in der Malerei, 
sie bedeuten ein direktes Zurückkehren zur Realität und 
versinnbildlichen das bruit, das Gekreisch der Bremsen, 
das die in die Melodie Versunkenen überfällt und den breiten 
Hintern des Bürgers mit Pfeffer versorgt. Die phantasti 
schen Gebete beten 'zum erstenmal in deutscher Sprache 
die skrupellose Buntheit, sie nehmen das beben wie es ist 
als ein wahnwitziges Simultankonzert von Morden, Kultur 
schwindel, Erotik und Kalbsbraten, sie zerfetzen die Ethik 
und die büge der persönlichen Verantwortlichkeit, sie lösen 
das beben in ein Gelächter auf, indem sie den Geist als eine 
Verdrängung für schwache Muskeln denunzieren. Die 
phantastischen Gebete sind im Jahre 1916 erschienen*) und 
heute, vier Jahre später, dem deutschen Publikum, das die 
Ehre hat, das' dümmste auf dieser schönen Erde zu sein, 
noch vollkommen unbekannt. Sehr bekannt sind dagegen 
die gelenkigen und gut geölten Verslitaneien der Herren 
Werfel und Hasenclever, die ihr schwaches Talentchen dazu 
mißbraucht haben, der immer betrogenen biteraturinter- 
essenten-Mensdiheit einen Mitleids- und Sentimentalitäts-- 
*) 2. erweiterte Auflage im Malik-Verlag, 1920.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.