Full text: Der Marstall : Zeit- und Streit-Schrift des Verlages Paul Steegemann (1/2)

9 
BRUDER MARTINUS 
Bei Tages Anbruch erhebt sich ein Wind, 
Weht Flitter und Fetzen zuhauf; 
Sie zappeln und flattern und tanzen im Kreis 
Und blähn sich mächtig auf. 
Am hellen Mittag steckt das ganze Pack 
Im Wechselsack. 
Stille! Einer weilt in unsern Mauern — 
Harfe her! Lied, Jungfraun, Fackeltanz! 
Edelweiß holt aus den hohen Tauern, 
Flechtet es zum Kranz! 
Denn ein Meister ist’s im Reich der Geister, 
Meistert Vers und Prosa, Kuß und Dolch, 
Meistert auch die Schere und den Kleister, 
Aber ganz besonders — den Erfolg. 
Kam bescheiden als Provinz-Redakter, 
Wand sich her und schlängelte sich hin, 
Aber herrisch nach dem Szepter packt er, 
Als die anderen zu Felde ziehn. 
Schwillt ins Feuilleton gleich Faustens Pudel — 
Heiahei — es lächeln Herz und Sterz — 
Und stimmt an ein reisiges Gedudel, 
Kritisch teils und teils tantiemenwärts. 
Wär’ gern Wildenbruch-Sohn, Schiller-Enkel, 
Aber dazu ist’s nicht ganz genug: 
Schillern ragt er unterhalb der Schenkel, 
Selbst vom Wildenbruche blieb nur — Bruch. 
Dichtend so nach still verjährten Mustern — 
Alle Achtung! — Plötzlich stand er da, 
Arm in Arm mit andern Bühnenschustern: 
Tschingdabum: Erfolgs-G. m. b. H.! 
„Blickst Du freundlich — will ich lieb sein — 
Rufst Du: Hurra! — brüll ich: Heil! 
Wer mir feind ist, soll für Dich ein Dieb sein, 
Schlägt Dich einer, trifft’s mein Hinterteil.“ 
% 
Helfen so einander auf die Strümpfe, 
Meinend, daß den Unfug niemand sieht, 
Und erheben prompt ein groß Geschimpfe, 
Wenn wo wer vor andern Göttern kniet.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.