Full text: Die weissen Blätter : eine Monatsschrift (2(1915),7)

876 S. Triedfaender • t)er Wag daher der Weft 
********************************************************************************************************************************************** 
wendigkeit aller Auswendigkeit, sein absoluter Spielpunkt zwar un= 
verloren, aber so gut wie fehlend: getrübt, verschleiert, gekränkt und 
irre. Der letzte Schleier, der die Isis der eigenen Allmacht verhüllt, 
ist die psychische, die sogenannte »subjektive« Differenzierung: das 
echte Subjekt ist wesentlich zentral indifferent. Wo noch Differenz 
ist, sind wir noch draußen im Objekt, sind wir noch selbst Kreatur. 
Zu glauben, daß der Weltgehalt sich im Objekt erschöpfe und das 
indifferente Subjekt nur noch als jeu d'esprit hinzukomme, ist das 
Symptom der Schwäche des eigenen Subjekts, derentwegen es sich 
menschlich in seine eigene Differenzierung verliert: erst das absolut 
ungeteilte Zentrum, worin der Kreis sich innigst zusammenzwingt, 
ist dessen springender Punkt. Seele zentriert die Welt. Um aber 
solches absoluten Mittelpunkterlebens mächtig zu sein, soll sich das 
inwendige Subjekt den Menschen abgewöhnen. 
Der Mensch ist eine Differenz, die dieser absoluten Inwendigkeit 
eingespielt instrumental zu Diensten ist, ein taugliches Medium ihrer 
Wirksamkeit, ein täuschender Wechselbalg der Person, nicht sie selbst. 
Zur Weltseele taugt er nur als deren auswendiges Werkzeug,- er 
ist nicht inwendig,- inwendig soll man ihn vergessen, um ihn fein^ 
mechanischer zum eingespieltesten Werkzeug der göttlich innersten 
Willkür zu machen, zum Automaten der eigenen göttlichen Spon 
taneität. Der Mensch ist die letzte Verhinderung seiner eigenen per 
sönlichen Allmacht. Wird auch er noch aus dem Weh>Subjekt, das 
er sonnenverfinstert, ganz und gar in die objektive Welt ausgeboren, 
dann erst wird die innerste Allmacht frei. Bis dahin umwölkt die 
triste Nebensache des menschlichen Pseudoinnern weit und breit die 
strahlend reine Person der absoluten Inwendigkeit. Der Lärm der 
menschlichen Seele übertäubt noch seinen eigenen intimsten Urheber. 
Die Raserei des Kreises verzerrt und verrenkt Zentrum und Schwung. 
Um die allgemeine Weltverständigung persönlich herzustellen, soll 
man sich allem »Äußeren«, allem Differenzierten zuvor im Innersten 
entfremden. Diesem »Tode« gegenüber ist nun der Mensch auch 
extrem gesinnt, feig oder tollkühn, oder Beides in trüber Kombi 
nation empfindend. Er ringt sich die Absolvierung des Innern vom 
und zum Äußern nicht rein und restlos ab,- er überschießt diesen 
Ausgangspunkt oder bleibt dahinter zurück,- trifft ihn nicht präzis.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.